Ein Hipster war Karl Marx sicher nicht, obwohl sein Bart ernstzunehmend war. Karls Hobby: beobachten, was in der Welt so läuft und Schlüsse daraus ziehen. Einer dieser (sinngemäß): „Wenn der Tauschwert weit entfernt ist vom Gebrauchswert, wirst du übers Ohr gehauen.“ Diese uns früher vertraute Erkenntnis wurde vor Jahren durch „Geiz ist geil“ ersetzt. Und wir sind immer noch dabei, diesen kulturellen Quantensprung weiterzuentwickeln. Mittlerweile hat sich zur Gier die Dummheit gesellt, gern noch einen Löffel Faulheit dazu.
Heute lassen wir uns von den wenigen beliebten Ausländern per E-Bike die Pizza bis ans Sofa bringen. Würden wir diese (interessanterweise stehts männlichen) Dienstleister mit originellen Kopfbedeckungen aus dem Stadtbild entfernen, stünde einem nicht unerheblichen Teil unserer Bevölkerung der Hungertod bevor. Der einzige Vorteil dieser Entwicklung ist der integrierte Recyclingprozess, denn wenn das Abendmahl das Sofa erreicht hat, schmecken Pizza und Karton eigentlich gleich und werden folgerichtig zusammen gegessen. Nun gibt es eine neue Erfindung von der Firma App-Algorithmus-Inc.
Sie wurde erdacht für Menschen, die noch über einen Rest Mobilität verfügen, also so Typen wie mich. Dabei wäre mir die Innovation fast entgangen! Bemerkt habe ich sie, als ich in einem Restaurant in der Nähe zu Abend aß, während sich Menschen am Nachbartisch diebisch über meine Ahnungslosigkeit freuten. In dem Lokal war ich nämlich einer der wenigen, die bereit waren, den Preis zu bezahlen, der in der Speisekarte steht. Die anderen hatten über TheFork gebucht und zahlten logischerweise nur die Hälfte.

Mir wurde schlagartig klar, dass ein Restaurantbesuch ohne ausführliche Vorabrecherche nicht empfehlenswert ist, möchte man nicht in der Kiste der Vollidioten enden. Also habe ich recherchiert und tatsächlich etwas gefunden: den gesunden Menschenverstand. Neuerdings sitze ich also vor dem Teller und überlege: Ist es mir das wert? In dem Schlüsselerlebnis-Restaurant kam ich übrigens zu dem Ergebnis: Das Essen ist wirklich nur die Hälfte dessen wert. Pech für den Wirt: Da geh ich selbst dann nicht mehr hin, wenn ich 60 Prozent Rabatt kriege. Und nun? Doch wieder selbst kochen? Gute Idee!
Ich kenne da einen Supermarkt, da sind grade Salatgurken on Sale! Minus 70 Prozent! „Live was more relaxed when apples and blackberries were just fruits“, möchte man da dem Marxen Karl in den Mund legen. In der nächsten Ausgabe verrate ich euch, wohin ich Karl Marx und die Mama von Forrest Gump einladen würde. Ihr habt ein Recht darauf! Mein Lieblingsrestaurant ist nämlich wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man kriegt.
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