Der Journalist und Kulturhistoriker Hans Ostwald (1873–1949) zählt zu den wichtigsten Chronisten des Berliner Alltags im frühen 20. Jahrhundert. Mit der Absicht, „unsere Kultur von unten zu beleuchten“, widmete er sich in seinen zahlreichen Texten den unteren sozialen Klassen und gesellschaftlichen Randgruppen. 1932 gab er in der Buchreihe Was nicht im Wörterbuch steht einen kurzweiligen Einblick in den Wortschatz, die Grammatik und den Zungenschlag der Berliner Alltagssprache, die vor allem im sogenannten Zille- Milieu gesprochen wurde. Spezifische Wortschöpfungen wie „knorke“ und „schnieke“ oder Abkürzungen wie „jwd“ werden hier ebenso beschrieben wie der Hang der Berlinerinnen und Berliner, aus einem G ein J zu machen oder die Jrammatik janz jrundsätzlich zu ignorieren. – Die Favoritenpresse hat diesen äußert vergnüglichen Text nun – geringfügig bearbeitet – neu aufgelegt und mit neongrellen Illustrationen von Marcus Gruber ergänzt, sodass sich nun Punks, die U8 und ne Currywurst neben der knapp 100 Jahre alten Sammlung von Berliner Wörtern und Sprüchen wiederfinden, um deutlich zu machen, dass sich in den letzten 100 Jahren nicht viel verändert hat, man aber „dufte“ durchaus wieder in den Alltagswortschatz aufnehmen sollte. Marcus Gruber: Kiek ma eena an. So quatscht Berlin. Favoritenpresse 2025, 72 Seiten, 18,– €
Buchtipp · Marc Lippuner · Prenzlauer Berg · August / September 2025
N duftet Buch
Ein vergnüglicher, neu illustrierter Blick auf Berliner Wörter, Grammatik und Zungenschlag.

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