Denkt man an Mode, ist Berlin sicher nicht die erste Stadt, die einem dazu einfällt. Und doch war Berlin neben Paris viele Jahrzehnte der wichtigste und interessanteste Hotspot für hochwertige und tragbare Kleidung in Europa. Während die französische Hauptstadt sich vor allem der Haute Couture verschrieben hatte, wurde Berlin im 19. Jahrhundert zum Zentrum der Konfektionsmode.
Doch warum erinnert sich niemand mehr an die innovativen Modekaufhäuser, an das pulsierende Leben am Hausvogteiplatz und im Tiergartenviertel, an die Berliner Modeschöpferinnen und Designer, deren Entwürfe Millionen von Menschen weltweit trugen? Mit ihrer Vertreibungs- und Vernichtungswut zerstörten die Nationalsozialisten einen Industriezweig, der maßgeblich von jüdischen, demokratischen oder homosexuellen Geschäftsleuten, Modekünstlerinnen und -künstlern geprägt wurde, die ins Exil gingen, ermordet wurden oder Selbstmord begingen.
Ein wirtschaftlicher und kultureller Kahlschlag, von dem sich Berlin bis heute nicht erholt hat. – Die Historikerin Gesa Kessemeier hat nun ein fundiertes Standardwerk herausgegeben, das Berlin als Modestadt wieder in Erinnerung ruft und 50 Menschen, die für diesen Ruf verantwortlich waren, dem Vergessen entreißt. Mit stattlichen 700 Seiten und zahlreichen Abbildungen aus alten Modezeitschriften ist dieses opulente Coffee-Table-Book eines, das man immer wieder zur Hand nehmen wird – das perfekte Geschenk für alle Fashionistas dieser Stadt! Gesa Kessemeier: Modestadt Berlin.
Geschichte der Berliner Konfektion und Modesalons 1836–1936 – 50 Porträts. Hentrich & Hentrich 2025, 686 Seiten mit 510 Abbildungen, 50,– €
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