Überschriften sind wichtig, hat man mir beigebracht. Sie sollen neugierig machen. Ich habe mir eine schöne ausgedacht: Notzing Hill Dann war ich dort. Das parkähnliche Anwesen liegt friedlich in der Landschaft. Kein Hügel weit und breit. Also Plan B: Eine Überschrift gibt einen Vorgeschmack auf das, was kommt: Von Kunst, Grappa, 16-eckigen Gläsern und Lieferketten Der berühmte Grappa Produzent Romano Levi unterschied sich von der gesamten Konkurrenz dadurch, dass jede Flasche, die er verkaufte, ein von ihm höchstpersönlich gezeichnetes Etikett erhielt.

Das hatte zur Folge, dass die Pullen schnell zum Sammelobjekt wurden und unangetastet in Vitrinen landeten. Man munkelt, dass der Grappa nicht der beste sei. Das ist aber unerheblich, da die meisten Flaschen vor lauter Ehrfurcht ohnehin nie geöffnet werden. Das wird den Buddeln, über die ich heute erzählen möchte, nicht passieren, dazu ist ihr Inhalt zu begehrenswert.

Als mich vor 29 Jahren Doktor Matthias Corvers, promovierter Önologe, besuchte, um aus mir einen Weinfachverkäufer zu machen, sagte ich ihm: „Dies ist ein Küchenladen und wir verkaufen nur Weine, die ein Winzer zum Essen trinkt, wenn kein Besuch da ist.” „Den habe ich auch“, antwortete Matthias mit einem verständnisvollen Lächeln. Wenig später, unsere Geschäftsbeziehung hatte schon Fahrt aufgenommen, schafften wir gemeinsam einen Drucker an, der uns seither in die Lage versetzt, Etiketten zu individualisieren.

Ein paar Jahre später kaufte sich Patricia eine Erstausstattung unserer formschönen 16-eckigen Weingläser aus Portugal. Diese verhängnisvolle Anschaffung führte zu nicht unerheblichen Folgekosten. Über die Jahre haben wir immer wieder mal die Gläser auf ihre Dichtigkeit überprüft und dazu einen Riesling von Matthias entschraubt – stets sehr zufriedenstellend und Freundschaft vertiefend. Bei unserem letzten Sommerfest kam es zu der alles verändernden Begegnung. Matthias Corvers ließ sich nicht nehmen, aus dem Rheingau anzureisen und mir und meinen Gästen einen einzuschenken.

Andreas Langholz.
Andreas Langholz.

Das tat er von 17 Uhr, bis der Wein gegen 1:30 Uhr ausgetrunken war. Auch Patricia hat was abgekriegt und bei der Gelegenheit aus kundigem Munde erfahren, welche Besonderheit da in ihrem Glas gelandet war. Also bestellte sie nach intensiven Preisverhandlungen eine Palette des schmackhaften Bio-Stoffs für ihr anstehendes Fest – Lieferung ins Alpenvorland. Glücklicherweise befindet sich das Weingut in Oestrich-Winkel, genau in der Mitte zwischen Berlin und Oberbayern. Der CO2 -Abdruck der Lieferkette ist damit auf ein Minimum reduziert. Aber die Sache mit dem Etikett war dann noch zu bearbeiten.

Patricia bemühte sich um kompetente Unterstützung, Versuche wurden hin und her geschickt, bis sie schließlich allen Mut fasste und selbst zur Feder griff. Ihr Lebensabschnittsgefährte schrieb mir: „Patricia ist in Hochform. Ich finde ihre Vorschläge wunderbar.“ Recht hat er, das Etikett ist schön geworden! Nun gilt es nur noch a) je eine Flasche in Sicherheit zu bringen, b) eines diese Magazine darum zu wickeln, quasi als historischen Nachweis und dann c) die Preziosen in 70 bis 100 Jahren bei Bares für Rares zu verhökern. Die Gesamtinvestition kommt garantiert doppelt zurück.

Liebe Patricia, davon hast du zwar nur theoretisch etwas, aber auch Vincent van Gogh hat für seine Bilder meistens nur ein Glas Wein bekommen. Ist das ein kleiner Trost? Immerhin hat es Deinen Gästen vorzüglich geschmeckt. Du bist mit Kunst, Wein und Gastfreundschaft in die Herzen Deiner Freunde vorgedrungen! Das schreibt jemand, der dabei war. Danke für die Einladung! Dein alter Freund Andreas