Die Welt ist im Wasser versunken. Lediglich die Berliner Stadtmitte ist verschont geblieben – umgeben von einer gigantischen Mauer. Hier leben fünf „Ewige“, zwei Frauen, drei Männer, göttergleich verehrt von jenen, die jeden Sommer auf Kreuzfahrtschiffen zu ihnen pilgern. Den Rest des Jahres sind sie sich selbst überlassen, werden mit Essensrationen aus der Luft versorgt, bauen Gemüse an, lieben sich in wechselnden Konstellationen und sind stets unzähligen Ritualen verpflichtet, die sie am besten nicht hinterfragen. Taucht plötzlich ein Kleinkind auf, gleicht es einem der älteren „Ewigen“, der über kurz oder lang spurlos verschwindet. Was passiert jedoch, wenn die ausgediente Version nicht bereit ist, ihren Platz zu räumen? – Mit einer ungewöhnlichen, poetischen Sprache beschreibt Anne Reinecke eine Welt, in der vorchristliche Mythen wieder beschworen werden, Wissen nur mündlich weitergegeben werden kann, da alle Bücher längst zerfallen sind, die modernen Errungenschaften ohne Elektrizität nutzlos sind und eine Kommunikation nach draußen verwehrt bleibt. Dies alles in einer zerstörten Stadt, deren Ruinen wir heute als prachtvolle Museen und Parlamentsgebäude kennen. Faszinierend. Anne Reinecke: Hinter den Mauern ein Ozean. Diogenes 2024, 240 Seiten, 18,– €