Im Seitenflügel eines Gründerzeithauses am Kurfürstendamm 29 befindet sich das nahezu unverändert erhaltene Atelier der Künstlerin Jeanne Mammen, die hier von 1920 bis zu ihrem Tod 1976 lebte und arbeitete. Die Kunsthistorikerin Martina Weinland hat viele Jahre Führungen durch diese museale Zeitkapsel angeboten und rückt diesen besonderen Ort in ihrem reich bebilderten Buch über die Künstlerin ins Zentrum. Dabei zitiert sie aus bislang unveröffentlichten Briefen, die eindrücklich vom Leben in entbehrungsreichen Zeiten erzählen.

In den 1920er-Jahren zählte Mammen zu den erfolgreichsten Illustratorinnen der Weimarer Republik. Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb sie nahezu auftragslos und schuf abseits der Öffentlichkeit ein umfangreiches Werk, das als „entartet“ klassifiziert worden wäre. Nach dem Krieg stellte sie nur vereinzelt aus, konnte jedoch mit Hilfe von Freunden Werke auch in Amerika verkaufen.

Während sie zunehmend abstrakt arbeitete, rückte ihr figürliches Frühwerk kurz vor ihrem Tod wieder in den Fokus der Öffentlichkeit, als im Zuge der Frauenbewegung die Künstlerinnen der Zwanzigerjahre neu entdeckt wurden. – Weinlands Biografie ist eine Bereicherung, die Lust macht, das Werk Jeanne Mammens, das unter anderem im Stadtmuseum und in der Berlinischen Galerie zu finden ist, näher kennenzulernen. Martina Weinland: Bis bald, meine Freunde! Die Künstlerin Jeanne Mammen. BeBra Verlag 2026, 296 Seiten, 30,– €